André Ruschkowski



Stückkommentare

Composers Edition Vol. II


 

SALZBURGTRUM (1995)

für Violine, Flöte, Perkussion, 8-Kanal-Tonband und Lichtstimmungen
ca. 65 Min.,

Solisten des Österreichischen Ensembles für Neue Musik:
Petra Hirzel: Violine, Irmgard Daxner: Flöte, Henning Kirsch: Perkussion,
Klangverteilung im Raum: Birmingham ElectroAcoustic Sound Theatre (BEAST)

Realisation des Tonbandes im Studio für elektronische Musik der Universität Mozarteum Salzburg,
UA: 22. Mai 1995, Großes Studio der Universität Mozarteum (19. Internationales Festival für neue Musik ASPEKTE Salzburg)


Mit dem fortschreitenden Verschwinden räumlicher Barrieren durch weltweite Kommunikation und Mobilität wächst auch die Sensibilität für das, was den jeweiligen Lebensraum eigentlich ausmacht. Zu seinen unverwechselbaren Charakteristiken gehört auch die - oft nur unbewußt wahrgenommene - individuelle Klangwelt. Diese ist in ihrer Struktur für jeden Bewohner von seinen Tätigkeiten in diesem Raum geprägt, besitzt aber darüber hinaus - durch die vielfältigen Verflechtungen mit den Klangwelten anderer Personen dieses Raumes - stark gemeinschaftlichen Charakter.
SALZBURGTRUM („Trumm“: österreichisch für „großes Stück“, „Trümmer“) thematisiert diese Vielschichtigkeit individueller menschlicher Raumwahrnehmungen und deren Verflechtungen in der Stadt Salzburg anhand charakteristischer Klangzeichen.
Das musikalische Material von SALZBURGTRUM besteht aus zwei Ebenen. Dominierendes Element sind Originalton-Aufnahmen von ausgewählten Orten der Stadt Salzburg. Dazu gehört die wiedererkennbare akustische Beschreibung bekannter Salzburger Räume. Die Originalton-Ebene wird ergänzt und kontrastiert durch drei solistisch agierende Musikinstrumente bzw. Instrumentengruppen: Violine, Flöte und Perkussion.
Die Anordnung und Modifikation der O-Ton- und der instrumentalen Elemente nach dramaturgischen Gesichtspunkten lassen zwölf deutlich voneinander unterscheidbare Formteile entstehen, die mit individuellen Lichtstimmungen korrespondieren.
Die Modifikation der Originalklänge erfolgte mit Verfahren elektronischer Musik, vorzugsweise auf digitaler Ebene im Computer. Dazu gehört vor allem das „Mikroskopieren“, d. h. das zeitliche Dehnen, sowie das „Verdichten“ (Stauchen) von Klängen und Klangstrukturen, um so Bekanntes - d. h. die Originalklänge bzw. deren Bestandteile - aus neuartigen Perspektiven hörbar zu machen. Es kommt zur gegenseitigen Beeinflussung von Einzelklängen, deren wechselseitiger Durchdringung, zur Bildung von Klangschichten, bis hin zur Preisgabe ihrer Wiedererkennbarkeit, d. h. zur Aufgabe der Individualität einzelner Klangelemente.
Die Instrumentalsolisten mit ihrer flexibel handhabbaren Individualität sind Teil dieses Prozesses, indem sie sowohl ihrerseits auf die O-Töne reagieren, d. h. sich zwischen Anpassung und Opposition bewegen, als auch in ihrer freien Entfaltung durch die anderen Klangkategorien (Instrumentalklang elektronisch modifiziert, O-Ton elektronisch modifiziert, O-Ton unbearbeitet) beeinflußt werden.

SALTBURGTRUM 98

Version für 8 Kanal-Tonband und Lichtstimmungen

Eine neuere Fassung von SALZBURGTRUM - SALZBURGTRUM 98 - ausschließlich für 8 Kanal-Tonband und Lichtstimmungen erstellt, hatte vor kurzem hier in der Salzburger Altstadt seine Premiere. Im Rahmen des Projektes „moving house“ wurde es an zwei Abenden (26. und 27. 7. 1998) als Freilichtveranstaltung auf dem Salzburger Hanuschplatz aufgeführt.


 


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